Die Norm BSE 108-15 in Kürze
Die BSE 108-15 (Brandschutzerläuterung) behandelt die Gewährleistung der Funktionsbereitschaft der Brandfall-Ansteuerungen — der automatischen Aktionen, die durch die Detektion ausgelöst werden (Entrauchung, Türschliessung, Aufzugsrückholung usw.). Sie behandelt nicht die laufende Wartung der Detektionsanlage selbst, die der SES-Richtlinie BMA unterliegt.
Ein einziger Integraltest mit variablem Intervall
Entgegen einer verbreiteten Annahme definiert die BSE keine drei Kontrollen zunehmender Tiefe. Sie definiert einen einzigen Integraltest, der sämtliche Ansteuerungen prüft und dessen Intervall von der Risikokategorie des Gebäudes abhängt (BSE § 7.4 Abs. 2):
| Risikokategorie | Intervall | Beispiele |
|---|
| Kategorie 1 (hohes Risiko) | 2 Jahre | RWA mit Leistungsnachweis + Überdruckbelüftung |
| Kategorie 2 | 4 Jahre | Beherbergungsbetriebe [a]/[b], RWA ohne Leistungsnachweis |
| Kategorie 3 | 6 Jahre | Übrige Gebäude |
Bei jeder Fälligkeit wird derselbe Integraltest durchgeführt: Er umfasst alle Auslösezonen, in automatischer und manueller Auslösung.
Was der Integraltest prüft
- Die Auslösung jeder Ansteuerung aus jeder Auslösezone
- Die Übereinstimmung mit der Ansteuerungsmatrix
- Die Schnittstellen zu den übrigen Systemen (Sprinkler, Entrauchung, Aufzüge, Lüftung)
- Die Wiederherstellung des Normalzustands nach der Prüfung
Wer ist verantwortlich?
Verantwortlich für die Durchführung und Protokollierung der periodischen Integraltests sind die Eigentümer und Betreiber (BSE § 7.4 Abs. 1), über die für die Brandfall-Ansteuerungen gesamtverantwortliche Person. Die Brandschutzbehörde erhält die Protokolle nur auf Verlangen (§ 8.2).
Nicht verwechseln: Die jährliche Wartung der Detektionsanlage (Funktionskontrollen, Revision der Melder nach 6/8 Jahren) unterliegt der SES-Richtlinie BMA (§ 12.6), nicht der BSE.
Was dokumentiert werden muss
Über jeden Integraltest wird ein Protokoll erstellt, das Folgendes enthält:
- Identifikation der Anlage und des Gebäudes
- Datum und Risikokategorie (anwendbares Intervall)
- Ergebnisse pro Auslösezone und pro Ansteuerung
- Festgestellte Mängel und Korrekturmassnahmen
- Fazit und nächste Fälligkeit
Folgen bei Nichtkonformität
Die Missachtung des Integraltests kann Folgendes nach sich ziehen:
- Versicherung: Risiko der Leistungsverweigerung im Schadenfall
- Behörde: Mahnung durch die Brandschutzbehörde
- Haftung: Inanspruchnahme der Haftung von Eigentümer und Betreiber
Wie man sich effizient organisiert
Bei mehreren Gebäuden unterscheiden sich die Fristen je nach Risikokategorie: Ein Gebäude kann bei 2 Jahren liegen, ein anderes bei 6 Jahren.
- Fristen zentralisieren in einem einzigen Werkzeug
- Vorausplanen: den Test 3 Monate vor Fälligkeit einplanen
- Systematisch dokumentieren bei jedem Test
- Protokolle archivieren und zugänglich halten
sdai.ch berechnet die Fälligkeit des Integraltests für jedes Gebäude automatisch nach seiner Risikokategorie und warnt vor jeder Frist.
Das Wichtigste in Kürze
- Die BSE 108-15 definiert EINEN Integraltest, dessen Intervall (2, 4 oder 6 Jahre) von der Risikokategorie abhängt.
- Der Test umfasst stets alle Auslösezonen (automatisch + manuell); es sind nicht drei verschiedene Kontrollen.
- Verantwortlich sind die Eigentümer und Betreiber; das Protokoll wird der Behörde auf Verlangen vorgelegt.
- Die jährliche Wartung der Detektion unterliegt der SES-Richtlinie, nicht der BSE.
Referenz: VKF, Brandschutzerläuterung BSE 108-15, Ausgabe 01.01.2020 (Stand 01.08.2022).