Die Wahl zwischen Punktmeldern (optisch, thermisch, Mehrkriterien) und Ansaugrauchmeldern (ASD, Aspirating Smoke Detection) beeinflusst die gesamte Konzeption einer BMA: Kosten, Detektionszeit, Verkabelung und Brandfallsteuermatrix.
Es ist kein "Entweder-oder": die beiden Technologien sind oft komplementär.
Zwei verglichene Detektionsfamilien: punktförmig und ansaugend.
Wie es funktioniert
Der Punktmelder
Der klassische Melder: ein Gehäuse an der Decke mit einem Sensor (optisch, thermisch oder beides). Die Umgebungsluft durchströmt die Detektionskammer durch natürliche Konvektion.
Prinzip: Der Rauch muss "bis zum Melder aufsteigen", um erkannt zu werden.
Der Ansaugrauchmelder (ASD)
Ein zentralisiertes System mit:
Einer Ansaugeinheit (motorisiert)
Einem Rohrnetz mit gebohrten Löchern (Kapillaren)
Einem hochempfindlichen Melder in der Zentraleinheit
Prinzip: Die Luft wird aktiv angesaugt von den Probenahmestellen zum Melder. Der Rauch wartet nicht, er wird erfasst.
Vergleich der Empfindlichkeit
Kriterium
Punktmelder
Ansaugrauchmelder
Empfindlichkeit (% Trübung/m)
0.5 bis 5 %/m
0.001 bis 5 %/m
Frühdetektion
Standard
Sehr früh
Reaktion auf Schwelbrände
Gut
Ausgezeichnet
Reaktion auf schnelle Flammen
Gut
Gut
Ein Ansaugrauchmelder kann Rauch erkennen, der 100- bis 1000-mal stärker verdünnt ist als bei einem Punktmelder. Das ist das Hauptargument für ASD in kritischen Bereichen.
Typische Einsatzkontexte
Wann Punktmelder zu bevorzugen sind
Büros, Geschäfte, Standardwohnungen
Korridore und Verkehrswege
Mittlere Technikräume
Knappe Budgets
Das ist die Standardlösung für 95 % der Gebäude in der Schweiz.
Wann man sich für ASD entscheidet
Rechenzentren und Serverräume: erkennen, bevor Material verloren geht
Reinräume und Labore: Punktmelder nicht installierbar
Sehr hohe Volumen: Lager, Industriehallen (der Rauch verdünnt sich, bevor er die Decke erreicht)
Hohe Anfangskosten (3- bis 5-mal ein Punktmeldersystem)
Komplexe Verkabelung: Rohre zusätzlich zum Meldekabel
Installationskompetenz: weniger geschulte Techniker
Weniger genaue Lokalisierung: Man weiss, welcher ASD (Einheit oder Rohrnetz) detektiert hat, aber nicht, an welcher Ansaugöffnung der Rauch eingetreten ist
Spezifische Wartung: Prüfung der Kapillaren, Sauberkeit der Rohre
Auswirkung auf die Brandfallsteuermatrix
Ein ASD erscheint als einzige Detektionszone in der Matrix, auch wenn er 10 oder 20 Ansaugstellen abdeckt. Das kann problematisch sein:
Gröbere Ansteuerungsgranularität als mit einzelnen Punktmeldern
Ein einziger ASD = ein einziges Ansteuerungsszenario für die gesamte abgedeckte Zone
Um eine feine Granularität zu erhalten, kann man:
Die Zone in mehrere ASD aufteilen (jede Teilzone hat ihr Szenario)
ASD für die Ultra-Frühdetektion in kritischen Bereichen
Punktmelder für die Standardabdeckung und die Alarmbestätigung
Beispiel: Ein Rechenzentrum kann 2 ASD haben (einen in der abgehängten Decke, einen im Doppelboden) plus Punktmelder in der Höhe zur visuellen Bestätigung.
Und die Wartung?
Aufgabe
Punktmelder
Ansaugrauchmelder
Zweijährliche Prüfung
Aerosol pro Melder
Prüfung jeder Kapillare
Werksrevision / Austausch
Alle 6 Jahre, oder 8 Jahre mit Selbstüberwachung (SES-DT Tabelle 12)
Jährliche Filterreinigung
Kalibrierung
Automatisch
Periodisch zu dokumentieren
Typische Jahreskosten
Niedrig
Mittel bis hoch
Wie sdai.ch die ASD handhabt
Im Editor von sdai.ch werden ASD als "Meldergruppen" mit ihren Kapillaren dargestellt. Die Brandfallsteuermatrix erlaubt es, jede Teilzone (Kapillare) bei Bedarf einem eigenen Szenario zuzuordnen.
Das Wichtigste in Kürze
Punktmelder decken 95 % der Gebäude ab; Ansaugrauchmelder (ASD) bieten eine Ultra-Frühdetektion.
Ein ASD erkennt Rauch, der 100- bis 1000-mal stärker verdünnt ist, zu 3- bis 5-mal höheren Kosten.
ASD-Kontexte: Rechenzentren, Reinräume, grosse Volumen, historische oder staubige Räume.
Ein ASD zählt als einzige Zone in der Matrix: aufteilen oder kombinieren, um Granularität zu behalten.
Referenz: EN 54-20 (Ansaugrauchmelder), VKF BSR 20-15.
Ansaugrauchmelder oder Punktmelder: BMA-Entscheidungshilfe | sdai.ch