Ab 100 kg gilt die Richtlinie
Die Brandschutzrichtlinie BSR 26-15 «Gefährliche Stoffe» regelt die Lagerung und den Umgang mit gefährlichen Stoffen ab 100 kg, sofern kein tieferer Schwellenwert ausdrücklich festgelegt ist (Ziff. 1). Die Einstufung folgt dem Global harmonisierten System (GHS): Das Brand- und Explosionsverhalten sowie die Gefahr für Personen und Umwelt bestimmen die Massnahmen (Ziff. 2). Ein praktisches Detail: Für diese Richtlinie gelten Diesel und Heizöl als entzündbare Flüssigkeiten ohne Klassifizierung.
Das Prinzip: ein Konzept vor Baubeginn
Ziff. 3.1 legt die Grundregeln fest, und einige überraschen durch ihre Strenge:
- jedes Lagerprojekt für gefährliche Stoffe braucht ein Brandschutzkonzept, das der Behörde vor Baubeginn vorzulegen ist (Abs. 7);
- gefährliche Stoffe dürfen nie in Fluchtwegen, Durchgängen oder vor Ausgängen gelagert werden (Abs. 12);
- der Betreiber muss vor Ort und jederzeit Auskunft über Art, Menge und Lagerort der Stoffe geben können (Abs. 13);
- das Personal muss über die Gefahr instruiert sein, die Feuerwehr alarmieren und die Löscheinrichtungen bedienen können (Abs. 14).
Die Mengen, die alles verändern: 50, 200 oder 600 Tonnen
Das ist der wirtschaftliche Kern der Richtlinie (Ziff. 3.2). Für entzündbare Flüssigkeiten der Kategorien 1 bis 3 (und eine Reihe weiterer Klassen) hängt die zulässige Höchstmenge pro Brandabschnitt von der Schutzausrüstung ab:
- ohne Detektion und ohne Sprinkler: 50 Tonnen;
- mit Brandmeldeanlage: 200 Tonnen;
- mit Sprinkleranlage: 600 Tonnen (bis 2'400 t in Hochregallagern mit Schaum-Sprinkleranlage).
Diese Werte entsprechen zugleich der maximalen Grösse des Brandabschnitts in m², und bei gemischten Lagern gilt die Menge des gefährlichsten Stoffs. Anders gesagt: Die Branddetektion ist nicht nur eine Pflicht, sie vervierfacht die zulässige Lagerkapazität.
Bau, Lüftung, Blitzschutz
Lager für gefährliche Stoffe bilden Brandabschnitte; Räume mit explosionsfähigen Stoffen brauchen Druckentlastungen (Ziff. 3.4). Räume, in denen sich Gase, Dämpfe oder Stäube gefährlich anreichern können, müssen belüftet werden, ohne dass die Ventilatoren zur Zündquelle werden (Ziff. 3.5.1). Der Blitzschutz folgt präzisen Schwellen (Ziff. 3.5.3): keine Pflicht bis 450 kg brennbare Gase, Erdung bis 1'000 kg, vollständiges System darüber; gleiche Logik bei entzündbaren Flüssigkeiten (450 l / 2'000 l / über 2'000 l).
Detektion, Löschung und Organisation
In brand- oder explosionsgefährdeten Zonen sind geeignete Löscheinrichtungen Pflicht; wenn die Umstände es erfordern, sind Brandmelde-, Gasdetektions- oder Löschanlagen zu installieren (Ziff. 3.5.4). Dazu kommen ein Lagerkonzept (Ziff. 3.6.1), die Trennung unverträglicher Stoffe in separate Brandabschnitte (Ziff. 3.6.2) und die Signalisation der Gefahr mit Rauchverbot (Ziff. 3.6.3).
Was die Version vom 1. April 2026 wirklich ändert
Die Richtlinie wurde nicht überarbeitet: Die am 6. März 2026 genehmigte und am 1. April 2026 in Kraft getretene Änderung betrifft einen präzisen Punkt, die Feuerwerkskörper (Ziff. 11.1.3). Bisher verbot der Text jedes Feuerwerk im Innern von Gebäuden. Neu ist die Regel nach Kategorien abgestuft:
- Feuerwerkskörper der Kategorien F2 bis F4 bleiben im Innern von Gebäuden verboten;
- das Zünden von Feuerwerk der Kategorie F1 ist in öffentlich zugänglichen Räumen untersagt, im privaten Bereich jedoch erlaubt;
- die Sicherheitsabstände des Herstellers gelten weiterhin, und die Kategorie 4 bleibt den Fachleuten vorbehalten.
Bei der Lagerung ändert sich nichts: Die Schwellen pro Lager (50, 300, 1'000 kg und mehr) und die Verkaufsanforderungen bleiben jene des Kapitels 11.
Der Bezug zur Qualitätssicherungsstufe
Ein oft vergessener Punkt: Gefährliche Stoffe beeinflussen die Einstufung des Gebäudes. Über 1'000 kg brennbaren Gasen, 2'000 l leicht entzündbaren Flüssigkeiten, 60 t Reifen oder 300 kg Feuerwerk steigt das Gebäude in der Qualitätssicherungsstufe (BSR 11-15 Ziff. 3.4.1), mit allem, was das an qualifizierten Beteiligten und Kontrollen bedeutet.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Richtlinie gilt ab 100 kg gefährlicher Stoffe; das Brandschutzkonzept ist vor Baubeginn einzureichen (BSR 26-15 Ziff. 1 und 3.1).
- Mengen pro Brandabschnitt: 50 t ohne Ausrüstung, 200 t mit Detektion, 600 t mit Sprinklern (Ziff. 3.2).
- Blitzschutz, Lüftung, Stofftrennung und Signalisation folgen bezifferten Schwellen (Ziff. 3.5 und 3.6).
- Neuerung vom 01.04.2026: Feuerwerk der Kategorie F1 ist im privaten Bereich erlaubt, F2 bis F4 bleiben im Innern verboten (Ziff. 11.1.3).
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Dieser Artikel dient der Information und ersetzt weder die anwendbaren Richtlinien noch die Beurteilung der zuständigen Behörde. Referenzen: Brandschutzrichtlinie VKF 26-15 «Gefährliche Stoffe» (Stand 01.04.2026) und Brandschutzrichtlinie VKF 11-15 «Qualitätssicherung im Brandschutz».