Alarmübermittlung an die Feuerwehr oder Sicherheitsfirma
Ihr Ziel: den Brand möglichst früh erkennen und die technischen Massnahmen auslösen.
Normrahmen: VKF BSR 20-15, EN 54.
Die SAA: die Räumung
Die SAA ist die Gesamtheit aus:
SAA-Zentrale (manchmal in die BMA integriert)
Räumungssirenen (manchmal nach Zone differenziert)
Sprachalarmlautsprecher (voraufgezeichnete oder live gesprochene Sprachdurchsagen)
Optische Signalgeber (Blitzleuchten für Hörgeschädigte)
Räumungsmikrofone (für manuelle Durchsagen)
Ihr Ziel: die Anwesenden alarmieren und ihre Räumung leiten.
Normrahmen: VKF, EN 54-16 (SAA-Zentralen), EN 54-24 (Lautsprecher).
Die wesentlichen Unterschiede
1. Ziel
BMA: technischer Schutz des Gebäudes und Alarmierung der Rettungskräfte
SAA: Personenschutz und organisierte Räumung
2. Lautstärke
BMA: klar erkennbarer Alarmton, rund 10 dB(A) über dem Umgebungslärm, mindestens ~65 dB(A) überall dort, wo der Alarm gehört werden muss, maximal 118 dB(A) in 1 m Abstand (SES-Richtlinie § 2.2 Abs. 4)
SAA: verständliche Sprachdurchsagen über dem Umgebungslärm; der Alarmton wird während der Durchsage unterbrochen (SES-Richtlinie § 2.2 Abs. 8)
3. Modulation
BMA: fester Alarmton
SAA: modulierbare Sprachdurchsagen ("Räumen Sie über die Ausgänge B und C", "Bleiben Sie an Ort, Voralarm")
4. Differenzierung nach Zone
BMA: globaler Alarm (manchmal mit lokalen Alarmen)
SAA: unterschiedliche Durchsagen pro Zone (betroffene vs. nicht betroffene Zonen)
5. Phasenweise Räumung
BMA: kein Konzept der phasenweisen Räumung
SAA: Möglichkeit der fortschreitenden Räumung (zuerst die Geschosse oberhalb des Brandes, dann die übrigen)
Wann wird die SAA verlangt?
Die Brandschutzvorschriften schreiben keine SAA nach Nutzung vor: Das Brandschutz- und Räumungskonzept bestimmt sie. In der Praxis wird sie häufig verlangt oder gewählt in:
Spitälern und Pflegeheimen (mit angepassten Durchsagen)
Hotels ab einer bestimmten Kapazität
Grossen Schulanlagen
In einem Standardbüro genügt eine BMA allein mit klassischen Sirenen.
Die Integration BMA ↔ SAA
Typische Architektur
Melder zur BMA-Zentrale zu (technische Ansteuerungen + Feuerwehrübermittlung + SAA-Zentrale). Die SAA-Zentrale steuert anschliessend die Sprachalarmlautsprecher und optischen Signalgeber.
Die Auslösung
Wenn ein BMA-Melder alarmiert:
Die BMA-Zentrale verarbeitet den Alarm und identifiziert die Zone
Sie sendet einen strukturierten Befehl an die SAA: Zone + Dringlichkeitsstufe
Die SAA wählt das passende Räumungsszenario
Die angepassten Durchsagen werden ausgegeben
Die erweiterte Matrix
In einer Anlage BMA + SAA integriert die Brandfallsteuermatrix die Räumungsszenarien:
Melder
Technische Ansteuerungen
SAA-Szenario
Zone 1, Untergeschoss
Entrauchung, Brandschutztüren
"Räumen Sie über die Treppen A und B"
Zone 5, 3. Obergeschoss
Lokale Entrauchung, Aufzug ins EG
"Räumung 3. Obergeschoss, übrige Geschosse an Ort bleiben"
Häufige Fallstricke bei der SAA
1. Generische Durchsagen
"Sofortige allgemeine Räumung" überall ist eine Unternutzung der SAA. Die SAA glänzt mit gezielten und kontextbezogenen Durchsagen.
2. "Klassische" Sirenen zusätzlich zur SAA
Eine Sirene, die während einer Sprachdurchsage heult, macht die Durchsage unverständlich. Die SES-Richtlinie ist eindeutig (§ 2.2 Abs. 8): Der Alarmton wird während der Ausgabe der Räumungsdurchsage unterbrochen.
3. Vergessene optische Signalgeber
Ein optischer Signalgeber ist in Räumen mit einem Umgebungslärm über 85 dB(A) obligatorisch und dort, wo das Gehör beeinträchtigt sein kann (Kopfhörer, Gehörschutz), empfohlen (SES-Richtlinie § 2.2 Abs. 5-6). In der Planung oft vernachlässigt.
4. Nicht überprüfter Schallpegel
Der Alarm muss überall dort hörbar sein, wo es nötig ist. Die akustische Messung und ihre Protokollierung sind nicht erforderlich, wenn ein ausreichender Schallpegel sichergestellt ist (SES-Richtlinie § 2.2 Abs. 4); im Zweifel (laute Räume, komplexe Geometrie) bleibt die Messung der sicherste Nachweis.
Fazit
BMA und SAA sind keine Konkurrenten, sie sind komplementär. Eine moderne Anlage zu konzipieren, ohne die SAA zu bedenken, heisst, auf einen wichtigen Hebel des Personenschutzes zu verzichten.
Für die Planungsbüros: Die SAA muss von Anfang an in die Planung einbezogen werden, nicht nachträglich ergänzt.
Das Wichtigste in Kürze
Die BMA erkennt den Brand; die SAA alarmiert und leitet die Räumung der Personen.
Die SAA ist nicht nach Nutzung vorgeschrieben: Das Brandschutz- und Räumungskonzept bestimmt sie.
Die erweiterte Matrix ordnet jedem Melder ein Räumungsszenario pro Zone zu.
Sirenen und Sprachdurchsagen summieren sich nicht: Der Alarmton wird während der Durchsage unterbrochen.
Referenz: VKF-Brandschutzvorschriften 2015, EN 54-16 (SAA-Zentralen), EN 54-24 (Lautsprecher).