Die Abschottung gilt nur geschlossen
Ein Gebäude wird in Brandabschnitte unterteilt, um einen Brand einzudämmen und Zeit für die Räumung zu gewinnen. Eine offen blockierte Brandschutztür oder eine offen gebliebene Lüftungsklappe hebt diesen Schutz auf: Rauch und Flammen ziehen durch. Die Aufgabe der Detektion ist genau, diese Barrieren in Stellung zu bringen, sobald ein Brand erkannt wird. Das ist eine der häufigsten und kritischsten Brandfallsteuerungen.
Offen gehaltene Brandschutztüren: das Auslösen durch die Detektion
Viele Brandschutztüren werden aus betrieblichen Gründen im Alltag offen gehalten (Durchgang, Fluss, Komfort). Die Brandschutzrichtlinie VKF 15-15 «Brandschutzabstände, Tragwerke und Brandabschnitte» (BSR 15-15) lässt dies unter einer Bedingung zu: Diese Türen müssen mit einer automatischen Schliessvorrichtung ausgerüstet sein, die sie im Ereignisfall schliesst. Konkret halten elektromagnetische Haftmagnete die Tür offen; bei Detektion wird die Speisung unterbrochen und die Tür schliesst durch ihren Türschliesser.
Das Schliesssignal kommt von der Detektion: ein Melder der Zone oder eine Weiterleitung der Zentrale löst das Lösen aus. Diese Verknüpfung Melder zu Tür muss nachgeführt, getestet und dokumentiert sein.
Brandschutzklappen der Lüftung
Dasselbe Prinzip gilt für die Lüftung. Kanäle, die eine Brandabschnittswand durchqueren, sind mit Brandschutzklappen ausgerüstet, die schliessen müssen, um den Kanal nicht zum Kamin zu machen. Je nach Konzept wird ihr Schliessen von der Detektion (oder durch ein eigenes thermisches Auslöseelement) gesteuert und mit dem Stopp oder Erhalt der Lüftung koordiniert. Diese Koordination ist heikel: Eine Klappe darf nicht schliessen, während eine Entrauchung im selben Volumen absaugen soll.
Die sichere Stellung bei Unterbruch: das Fail-Safe-Prinzip
Was geschieht, wenn die Verbindung zwischen Zentrale und angesteuertem Organ unterbrochen wird? Die SES-Richtlinie unterscheidet zwei Familien von Einrichtungen (SES-Richtlinie Ziff. 10.1 Abs. 4 und Abs. 5):
- jene, die bei Unterbruch selbsttätig (mechanisch) eine sichere Stellung einnehmen, etwa eine Tür, die schliesst, sobald die Speisung wegfällt. Sie bilden eine Ausnahme von der dauernden Überwachungspflicht des Wegs, gerade weil ein Unterbruch sie von selbst in Sicherheit bringt;
- jene, die diese sichere Stellung nicht selbsttätig einnehmen: Sie müssen über einen Spannungswächter verfügen, und jeder Unterbruch wird als Störung gemeldet und an eine ständig besetzte Stelle übermittelt.
Dieses Fail-Safe-Prinzip ist zentral: Eine gute Brandfallsteuerung ist so ausgelegt, dass die Störung selbst zur Sicherheit führt, nicht zur Öffnung.
Von der Steuerung zur Matrix
Jede Tür, jede Klappe wird zu einem Ausgang der Brandfallsteuermatrix: Dort liest man, welcher Meldebereich welches Schliessen ansteuert. Eine kohärente Meldebereichseinteilung (siehe Meldebereiche strukturieren) erlaubt selektive Schliessungen, Abschnitt für Abschnitt, statt einer Gesamtschliessung, die das ganze Gebäude beim kleinsten Zwischenfall lahmlegt.
Die Matrix dient auch dem Erkennen von Konflikten: Ein und derselbe Kanal kann nicht gleichzeitig für die Entrauchung in Überdruck gesetzt und durch eine Klappe geschlossen werden. Solche Widersprüche erkennt man auf dem Papier, vor der Baustelle.
Die Prüfungen: der Integraltest bestätigt die Schliessungen
Eine Brandfallsteuerung gilt erst als funktionsfähig, wenn sie nachgewiesen ist. Bei der Abnahme prüft der Integraltest, dass jeder Melder die erwartete Schliessung in der richtigen Reihenfolge und im richtigen Zeitablauf ansteuert (siehe Abnahme und Inbetriebnahme). Jede spätere Änderung (zusätzliche Tür, verschobene Klappe) verlangt neue, angemessene Prüfungen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Abschottung schützt nur, wenn Brandschutztüren und -klappen schliessen: das ist die Aufgabe der Detektion.
- Offen gehaltene Türen haben eine automatische Schliessvorrichtung (BSR 15-15), die von der Detektion gelöst wird.
- Das Fail-Safe-Prinzip (SES-Richtlinie Ziff. 10.1) stellt sicher, dass selbst ein Unterbruch die Einrichtung in sichere Stellung bringt.
- Jede Schliessung ist ein Ausgang der Matrix; der Integraltest bestätigt die Funktion.
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Dieser Artikel dient der Information und ersetzt weder die anwendbaren Richtlinien noch die Beurteilung der zuständigen Behörde. Referenzen: SES-Richtlinie «Brandmelde- und Alarmanlage» (Ausgabe 01.07.2021, Kap. 10), Brandschutzrichtlinie VKF 15-15 «Brandschutzabstände, Tragwerke und Brandabschnitte» und Brandschutzerläuterung VKF 108-15.