BMA-Brandfallsteuermatrix: der vollständige Leitfaden 2026
Die Matrix verbindet Aktivierungszonen mit den Positionen und Funktionen der angesteuerten Brandschutzeinrichtungen. Definition nach BSE 108-15, Aufbau, drei Aktivierungskategorien, Verantwortlichkeiten und häufige Fehler.

Was ist eine Brandfallsteuermatrix?
Die BSE 108-15 gibt eine präzise Definition, und sie lautet anders als das, was man im Feld meistens hört. Die Matrix für Brandfallsteuerungen ist eine tabellarische Übersicht sämtlicher Beziehungen zwischen den Aktivierungszonen (gemäss Zonenplan) und den angesteuerten technischen Brandschutzeinrichtungen. Die Aktionen bei der Aktivierung dieser Einrichtungen sind darin definiert (BSE 108-15, Anhang, «Matrix für Brandfallsteuerungen»).
Zwei Begriffe sind entscheidend. Die Zeilen tragen Aktivierungszonen: ein geografischer Bereich von Bauten und Anlagen, der für ein definiertes Szenario gilt und im Zonenplan dargestellt wird, und nicht einzelne Melder. Und die Zellen tragen eine Aktion, also die erwartete Position bzw. Funktion der angesteuerten Einrichtung: Szenarien «definieren den Bezug zwischen den Aktivierungszonen und den Positionen bzw. Funktionen der angesteuerten technischen Brandschutzeinrichtungen», und dieser Bezug wird in der Matrix dargestellt (BSE 108-15, Anhang, «Szenarien»).

Es ist also nicht verlangt, jeden Melder mit jeder Einrichtung zu kreuzen. Eine Matrix mit tausend Melderzeilen entspricht einer verbreiteten Vorstellung, nicht dem Text: Verlangt ist, die durch die Szenarien vorgesehenen Beziehungen abzudecken: auf der Ebene der Aktivierungszonen. Das ist auch die Ebene des Integraltests, der «für alle Aktivierungszonen» durchzuführen ist (BSE 108-15 Ziff. 6.4.2 Abs. 5).
Die SES-Richtlinie behandelt diese Steuerungen in Anhang B, Kapitel 25: Sie verlangt die Koordination zwischen Aktivierungszonen und Meldergruppen sowie die Zuordnung der Ausgangskontakte gemäss der Matrix für Brandfallsteuerungen.
Warum ist die Matrix unverzichtbar?
Weil sie das einzige Dokument ist, das Szenario für Szenario festhält, was das Gebäude tun soll. Ohne sie kann niemand überprüfen, ob ein Alarm in Zone 3 die richtigen Klappen schliesst, die richtigen Türen entriegelt und den richtigen Rauch- und Wärmeabzug startet.
Welche Brandschutzklappen schliessen? Welche Türen entriegeln? Welche Rauch- und Wärmeabzugsanlage startet? Ohne klare und aktuelle Matrix kann das System:
- im Brandfall nicht die vorgesehenen Aktionen auslösen;
- widersprüchliche Anforderungen an dieselbe Einrichtung stellen, etwa Rauch- und Wärmeabzug und Klimatisierung gleichzeitig aktiv;
- die Anforderungen der BSE 108-15 nicht erfüllen.
Sie ist auch das Dokument, das die Kontrollstelle bei der Abnahme zuerst öffnet. Die BSE führt sie ausdrücklich in der Dokumentation der Brandfallsteuerungen auf, neben dem Schlusskonzept, den Zonenplänen und dem Drehbuch für integrale Tests (Ziff. 7.5 Abs. 2).
Wie ist eine Matrix aufgebaut?
Drei Elemente. Die Zeilen tragen die Aktivierungszonen des Zonenplans: zum Zusammenspiel von Meldergruppen und Aktivierungszonen siehe Meldebereiche strukturieren. Die Spalten tragen die angesteuerten technischen Brandschutzeinrichtungen: Klappen, Türen, Alarmierungseinrichtungen, Rauch- und Wärmeabzugsanlagen. Die Zellen tragen die erwartete Aktion der Einrichtung für diese Zone, also ihre Position bzw. Funktion.
| Element | Inhalt |
|---|---|
| Zeilen | Aktivierungszonen (Zonenplan), mit Verweis auf die zugehörigen Meldergruppen |
| Spalten | Angesteuerte technische Brandschutzeinrichtungen |
| Zellen | Erwartete Position bzw. Funktion der Einrichtung für diese Zone |
Die im Feld gängigen Kurzzeichen sind:
- A: sofortige Aktivierung
- D: Deaktivierung
- T: verzögerte Aktivierung
- ·: keine Beziehung
Diese Kurzzeichen sind Branchenusanz, keine Vorschrift: Die BSE schreibt keine Symbolik vor. Vorgeschrieben ist, dass die Aktion definiert ist. Die Legende gehört deshalb auf das Dokument: sie macht die Matrix für Dritte lesbar, bei der Abnahme wie zehn Jahre später.
Die drei Kategorien der Aktivierung
Die BSE 108-15 unterscheidet drei Kategorien: kollektive Aktivierungen mit Fail-Safe, kollektive Aktivierungen ohne Fail-Safe und selektive Aktivierungen (Ziff. 3 Abs. 5 und Ziff. 5.1). Ein Punkt vorweg, weil er oft verwischt wird: Was die beiden kollektiven Kategorien unterscheidet, ist das Verhalten der Ausgangskontakte der detektierenden Brandschutzeinrichtung, nicht das Verhalten der angesteuerten Einrichtungen selbst.
| Kategorie | Verhalten der Ausgangskontakte der Detektion | Unabhängige manuelle Aktivierung |
|---|---|---|
| Kollektiv mit Fail-Safe | Bei Kommunikationsunterbruch (Linienunterbruch, Ausfall oder Ausschaltung der Brandmeldezentrale) nimmt der Ausgangskontakt automatisch die Schaltstellung zur Aktivierung ein. Keine «Freeze»-Funktion während Arbeiten | Nicht erforderlich: Alle angesteuerten Einrichtungen des Gebäudes werden gleichzeitig über die Handfeuermelder (separate Linie) aktiviert |
| Kollektiv ohne Fail-Safe | Bei Kommunikationsunterbruch verbleiben die Ausgangskontakte in der aktuellen Schaltstellung | Erforderlich, getrennt von Detektion und angesteuerten Einrichtungen; alle Einrichtungen des Gebäudes werden gleichzeitig aktiviert |
| Selektiv | Die Ausgangskontakte funktionieren ohne Fail-Safe; die Einrichtungen werden ab Alarm szenarienabhängig aktiviert | Erforderlich und ebenfalls szenarienabhängig ausgelegt |
Drei praktische Folgerungen.
Erstens: Grundsätzlich müssen automatische und manuelle Aktivierung unabhängig voneinander erfolgen können: die Kategorie «kollektive Aktivierungen mit Fail-Safe» bildet jedoch die Ausnahme, dort ist keine unabhängige manuelle Aktivierung nötig (BSE Ziff. 3 Abs. 3 und Ziff. 5.2 Abs. 2). Der Satz «die manuelle Aktivierung muss immer unabhängig sein» ist für diese Kategorie schlicht falsch.
Zweitens: Ein Mischen der Kategorien innerhalb der Systemgrenzen ist nicht zulässig. Sind selektiv anzusteuernde Einrichtungen erforderlich, gelten die Anforderungen der selektiven Kategorie für sämtliche Brandfallsteuerungen des Gebäudes (Ziff. 5.1, Fussnoten 1 und 2). Vermischung ist ein klassischer Abnahmemangel.
Drittens: Die erforderliche Kategorie ist nicht frei wählbar. Sie hängt von den angesteuerten Einrichtungen, ihren Schutz- und Planungszielen sowie ihren Leistungskriterien ab (Ziff. 3 Abs. 6), und das Brandschutzkonzept legt fest, welche Kategorie zu realisieren ist (Ziff. 6.1 Abs. 2).
Das Bedientableau für die manuelle Aktivierung ist im Übrigen bei mindestens einem Feuerwehrzugang anzuordnen und gegen unbefugten Zugriff zu schützen (BSE Ziff. 5.6 Abs. 4). Seine Bedienelemente tragen eine klare, dauerhafte Beschriftung und eine Bedienungsanleitung (Ziff. 5.6 Abs. 9).
Wie oft wird die Matrix geprüft?
Zuerst bei der Abnahme: Der Integraltest erfolgt nach Fertigstellung aller Teilbereiche und wird protokolliert (Ziff. 6.4.2 Abs. 1). Danach im Betrieb über den periodischen integralen Test, dessen Intervall von der Risikogruppe des Gebäudes abhängt. Die Matrix ist bei jeder Prüfung die Vergleichsreferenz.
| Risikogruppe | Höchstabstand | Betroffene Bauten |
|---|---|---|
| Risikogruppe 1 | Höchstabstand 2 Jahre | Bauten gemäss offiziellem Wortlaut von Ziff. 7.4, namentlich mit RWA mit Leistungsnachweis und/oder Rauchschutz-Druckanlagen |
| Risikogruppe 2 | Höchstabstand 4 Jahre | Beherbergungsbetriebe [a] oder [b] sowie Bauten und Anlagen mit Rauch- und Wärmeabzugsanlagen ohne Leistungsnachweis |
| Risikogruppe 3 | Höchstabstand 6 Jahre | Bauten und Anlagen, die nicht unter Risikogruppe 1 und 2 fallen |
Achtung bei der Risikogruppe 2: Sie erfasst die Typen [a] oder [b] sowie Bauten und Anlagen mit Rauch- und Wärmeabzugsanlagen ohne Leistungsnachweis. Das Detail steht im Artikel periodische integrale Tests, die praktische Vorbereitung in der Checkliste zum Integraltest.
Diese Intervalle sind Minima. Das Merkblatt SIA 2046 beschreibt das Prüfvorgehen: Vorbereitung mit aktueller Matrix und Drehbuch, Durchführung Zone für Zone, Protokollierung, danach Mängelverfolgung.
Referenzen: BSE 108-15, Ziff. 6.4.2 und 7.4.
Wer ist für die Matrix verantwortlich?
Die Matrix ist nicht das Werk eines einzelnen Gewerks. Die BSE verlangt, dass Eigentümer- und Nutzerschaft einen Gesamtverantwortlichen für die Brandfallsteuerungen bestimmen. Dieser ist für die Schnittstellenkoordination und die Qualitätssicherung verantwortlich, koordiniert und überwacht Planung, Fachbauleitung und Inbetriebnahme und ist für Planung, Leitung und Dokumentation der integralen Tests zuständig (Ziff. 6.1 Abs. 1). Das Konzept der Brandfallsteuerungen entsteht bereits in der Planungsphase, in koordinierter Zusammenarbeit der beteiligten Fachplaner, unter seiner Leitung (Ziff. 6.2 Abs. 1).
Mit anderen Worten: Die Matrix ist das Ergebnis einer Koordination zwischen den Fachplanern der beteiligten Gewerke (Detektion, Lüftung, Rauch- und Wärmeabzug, Türen, Aufzüge), und nicht die alleinige Eingabe des BMA-Errichters. Der Errichter wirkt mit, oft federführend, aber Abweichungen vom Konzept sind vom Gesamtverantwortlichen zu genehmigen (Ziff. 6.3 Abs. 2).
Im Betrieb verschiebt sich die Last: Eigentümer- und Nutzerschaft müssen die Brandfallsteuerungen instand halten und die Betriebsbereitschaft jederzeit gewährleisten, über den von ihnen bestimmten Anlageverantwortlichen (Ziff. 7.1 und 7.6). Genau diese Aufteilung erklärt die meisten veralteten Matrizen im Feld.
Die häufigsten Fehler
Der Ansteuerungskonflikt
Ein Konflikt entsteht, wenn zwei Aktivierungszonen unvereinbare Positionen derselben Einrichtung verlangen. Der Klassiker: Eine Zone fordert den Rauch- und Wärmeabzug, während eine andere die Klimatisierung im selben Volumen in Betrieb lässt.
Die nicht aktualisierte Matrix
Nach dem Hinzufügen von Meldern oder einer Zonenänderung muss die Matrix nachgeführt werden. Die BSE ist bei wesentlichen Änderungen der detektierenden Einrichtung deutlich: Es ist zu überprüfen, ob die Zuordnung der Ausgangskontakte mit der Matrix übereinstimmt, die Funktion der Ausgangskontakte ist zu prüfen und zu protokollieren (Ziff. 7.1 Abs. 8). Eine veraltete Matrix ist gefährlicher als gar keine.
Mangelnde Lesbarkeit
Tabellenkalkulations-Matrizen mit einigen Dutzend Zeilen werden kaum noch überprüfbar. Eingabefehler häufen sich, und eine manuelle Kreuzprüfung jeder Zelle ist zeitlich nicht mehr realistisch.
Wie sdai.ch beim Führen der Matrix hilft
sdai.ch bietet einen interaktiven Matrix-Editor: Erstellung per Drag-and-drop, Kohärenzanalyse, PDF-Berichte und Änderungshistorie.
Die Kohärenzanalyse meldet bekannte Familien von Unstimmigkeiten: widersprüchliche Anforderungen an dieselbe Einrichtung, Zonen ohne Szenario, unvereinbare Aktionen, und zeigt die betroffene Zeile. Sie ist ein Werkzeug zur Gegenlesung, keine Konformitätsprüfung: Sie erkennt nicht «alle» denkbaren Konflikte und ersetzt weder das Konzept der Brandfallsteuerungen noch den Integraltest noch die Beurteilung der Behörde.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Matrix verbindet die Aktivierungszonen des Zonenplans mit den Positionen bzw. Funktionen der angesteuerten Einrichtungen; sie kreuzt nicht zwingend jeden Melder mit jeder Einrichtung.
- Die drei Kategorien unterscheiden sich zuerst am Verhalten der Ausgangskontakte der Detektion und dürfen innerhalb der Systemgrenzen nicht gemischt werden (Ziff. 5.1).
- Eine unabhängige manuelle Aktivierung ist bei «kollektiv ohne Fail-Safe» und «selektiv» erforderlich, nicht bei «kollektiv mit Fail-Safe» (Ziff. 5.2 Abs. 2).
- Die Risikogruppe 2 erfasst Beherbergungsbetriebe der Typen [a] oder [b] sowie Bauten und Anlagen mit Rauch- und Wärmeabzugsanlagen ohne Leistungsnachweis.
- Die Matrix entsteht aus einer Koordination unter der Verantwortung des Gesamtverantwortlichen für die Brandfallsteuerungen (Ziff. 6.1 Abs. 1).
Für den Start auf Papier: die Steuermatrix-Vorlage ist gratis herunterladbar (PDF A4 quer, FR/DE), mit dem Raster Zonen × Einrichtungen und den Aktivierungskategorien der Ziff. 5.1.
Das genehmigte Konzept hat Vorrang. Der Brandschutz wird kantonal vollzogen: Das für Ihr Objekt genehmigte Brandschutzkonzept legt fest, welche Kategorie von Brandfallsteuerungen zu realisieren ist, und die kantonale Brandschutzbehörde kann mehr verlangen als die hier beschriebenen Minima oder die Art der Dokumentation präzisieren. Bei Abweichungen gilt Ihr genehmigtes Dossier.
Geprüft am 11. August 2026. Quellen: Brandschutzerläuterung BSE 108-15 «Gewährleistung der Betriebsbereitschaft von Brandfallsteuerungen (BFS)», Ausgabe 01.01.2020 (Stand 01.08.2022), Ziff. 3, 5.1, 5.2, 6.1, 6.2, 6.3, 6.4.2, 7.1, 7.4, 7.5 und Anhang; VKF-Brandschutzvorschriften 2015; SES-Richtlinie BMA (Ausgabe 01.07.2021), Anhang B Ziff. 25: SES-Dokumentation Brandmeldeanlagen; Merkblatt SIA 2046 für das Prüfvorgehen. Dieser Artikel dient zu Informationszwecken: Bei spezifischen Fragen zu Ihrer Anlage wenden Sie sich an Ihr Brandschutzbüro.